Hirschberg, 31. MĂ€rz 2012. (red/sap) Einstimmig wurde der erste doppische Haushalt vom Hirschberger Gemeinderat verabschiedet. Die Einnahmen liegen bei 15,67 Millionen Euro, insgesamt werden in diesem Jahr 7,54 Millionen Euro investiert – das ergibt ein Volumen von 23,2 Millionen Euro. Die dritteTrainingshalle “geistert” durch die Haushaltsreden, obwohl sie nach den Zahlen in den kommenden Jahren nicht finanzierbar sein wird – auĂer man nimmt eine höhere Verschuldung in Kauf.
BĂŒrgermeister Manuel Just sprach von einem “historischen Haushalt”, der bei der Gemeinderatssitzung am 27. MĂ€rz 2012 verabschiedet wurde. Das betraf zum einen die GroĂprojekte, wie das Hilfeleistungszentrum, ĂPNV-Ausbau und Kanalsanierung, wie auch die Umstellung in die doppische BuchfĂŒhrung.
Allen BeschlussvorschlĂ€gen der Tagesordnung stimmte der Gemeinderat einstimmig zu: Der Gliederung in fĂŒnf Teilhaushalte – Hauptamt, KĂ€mmerei, Bauamt, BĂŒrgeramt, Allgemeine Finanzverwaltung -, dem Ergebnishaushalt mit einem veranschlagten ordentlichen Gesamtergebnis von 318.370 Euro, dem Finanzhaushalt mit einem Minus von 3.170.430 Euro, der mittelfristigen Finanzplanung fĂŒr den Zeitraum 2011 bis 2015 und ebenso dem Wirtschaftsplan fĂŒr den Eigenbetrieb Wasserversorgung.
Johe: “Wir haben dieses Jahrhundertbauwerk relativ gut verkraftet”
“Den gröĂten Brocken bei den Investitionen stellen die Ausgaben fĂŒr das Hilfeleistungszentrum mit circa 3,5 Millionen fĂŒr BaumaĂnahmen und EinrichtungsgegenstĂ€nden dar”, sagte Peter Johe (FW) in seiner Haushaltsrede. Weitere 4 Millionen waren schon in den vergangenen Jahren aufgebracht worden. Dies ergibt eine Summe in Höhe von 7,5 Millionen. Doch, so Johe, “wir haben dieses Jahrhundertbauwerk relativ gut verkraftet.”
Weiter betonte Johe, welchen Stellenwert der Sport vom Kleinkind bis zum Senior heute einnimmt, “gerade fĂŒr Ă€ltere Menschen ist Sport der reinste Jungbrunnen”. Mit der Standortuntersuchung bezĂŒglich einer Trainingshalle wurden 10.000 Euro in den Haushalt eingestellt und “wir finden es gut, dass im Haushalt, Vorsorge fĂŒr eventuelle weitere Planungen getroffen wurde”, so Johe.
Graf von Wieser: Die fĂŒnf Anliegen und Ziele der CDU
Ferdinand Graf von Wiser (CDU) sprach in seiner Haushaltsrede von einem “Paradigmenwechsel” bezĂŒglich der Umstellung auf die Doppik.
Das in die Jahre gekommene Kanalsystem zwinge die Gemeinde zu einer nachhaltigen sukzessiven Erneuerung, mit der man 2012 beginne, “ein Ansatz von 800.000 Euro ĂŒber die nĂ€chsten drei Jahre dĂŒrfte nicht zu groĂzĂŒgig bemessen sein”.
Auch der Ausbau einer bedarfsgerechten Kinderbetreuung sei der CDU-Fraktion ein Anliegen und sei “ein wichtiger Bestandteil der AttraktivitĂ€t” Hirschbergs.
“Wir alle wissen, dass das Investitionsniveau auĂergewöhnlich ist” und im laufenden Jahr seinen Höhepunkt erreicht habe “und von unserer Verwaltung professionell gemanagt wurde”, lobte Wiser.
Die geschrumpften RĂŒcklagen mĂŒssten wieder aufgebaut werden.
Als wesentliche Anliegen und Ziele der CDU-Fraktion nannte Wiser, die Gestaltung einer attraktiven Ortsmitte in Leutershausen, die Nutzung des Gartens der Alten Villa als öffentliche GrĂŒnanlage, die ĂberprĂŒfung der FunktionalitĂ€t der Alten Turnhalle in GroĂsachsen, die Sanierung des Kanalsystems und die StraĂenbeleuchtung in der Leutershausener StraĂe.
Herdner: Ein Goldesel mit Verdauungsproblemen
Die glĂŒckliche Kombination eines hohen Einkommensteueranteils, reichlich Gewerbesteuern und dem Erlös von dem Verkauf von gemeindeeigenen GrundstĂŒcken, habe es ermöglicht vieles zu realisieren, sagte Thomas Herdner (GLH) in seiner Haushaltsrede. “Doch von 2013 ab wird diese Art von Goldesel Verdauungsprobleme bekommen”, und damit wĂŒrden die GestaltungsrĂ€ume enger.
Auch griff Herdner nochmals den Wunsch der GLH nach einer Schulung der GemeinderĂ€te fĂŒr den Doppik-Haushalt auf, und betonte “es ist eine Bringschuld der Verwaltung”.
Die Forderung nach einer dritten Sporthalle bezeichnete Herdner im Kontext zu den explodierenden Betriebs- und Unterhaltskosten der gemeindeeigenen GebĂ€ude als “schlichtweg rĂŒcksichtslos” gegenĂŒber den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern.
“Was halten Sie von einer klimaneutralen Kommune Hirschberg 2020?”, fragte Herdner. Und gab gleich die Antwort: “Wohl nicht allzu viel, wenn man an die notwendigen MaĂnahmen denkt, die Sie bisher nicht unterstĂŒtzt haben.”
Metzler: Bedarfs- und FinanzierungsprĂŒfung der dritten Halle
Auch Dr. Horst Metzler (SPD) Ă€uĂerte sich in seiner Haushaltsrede kritisch zu einer neuen Trainingshalle: In Zeiten einer nur geringen RĂŒcklage dĂŒrfen zusĂ€tzliche umfangreiche freiwillige MaĂnahmen, auch BaumaĂnahmen, nach Ăberzeugung der SPD nicht Kredit finanziert geplant werden.”
Jahrzehntelang habe die SPD bei niedrigerer Verschuldung der Gemeinde eine Trainingshalle gefordert und schlug Standorte und den Bau unter aktiver Beteiligung der Vereine vor. “Doch es gab immer Ablehnung durch die beiden groĂen Fraktionen”, erinnert Metzler.
Umso ĂŒberraschender sei es gewesen, dass durch Mehrheitsentscheidung eben dieser Fraktionen am 24. November 2009 600.000 Euro fĂŒr den Bau einer Trainingshalle in die mittelfristige Finanzplanung fĂŒr 2013 eingestellt wurde. Die im Haushalt 2012 “vollzogene und stillschweigend akzeptierte Verschiebung” des Ansatzes von 2013 auf 2014, begrĂŒĂe die SPD, ebenso die Ausweisung von weiteren Mitteln fĂŒr die Trainingshalle in 2015.
Auf Antrag der SPD wurde im Dezember 2011 eine umfangreiche auch perspektivische PrĂŒfung des Bedarfs und der Finanzierung der Trainingshalle beschlossen. “Die Ergebnisse werden wohl Ende 2012 vorliegen und dann kann die Planung beraten werden”, so Metzler.
Reisig: “Unser Erbe an die nĂ€chste Generation soll keine Finanzlast sein”
“Die Verwaltung hat uns fĂŒr Hirschberg einen Haushalt vorgelegt, der geprĂ€gt ist von den GroĂprojekten der letzten und der kommenden Jahren”, sagte Oliver Reisig (FDP) in seiner Haushaltsrede.
Die RĂŒcklagen seien durch Hilfeleistungszentrum, ĂPNV-Ausbau, Kanalsanierung und weitere InvestitionstĂ€tigkeiten in Höhe von 7,4 Millionen aufgebraucht und “unser Tafelsilber ist verkauft”. Aus diesem Grund werden “die nĂ€chsten Jahre keine rosigen”.
Reisig mahnte, es sollte das Ziel aller sein, weitere Einsparpotentiale zu suchen und dabei gleichzeitig die Einnahmenseite kritisch zu betrachten.
Die Planung einer dritten Halle, sei, so der FDP-Politiker, bei der mittelfristig gegebenen Finanzlage der Gemeinde “verfrĂŒht”. “Unser Haushalt gibt das in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren nicht her.” Das Ziel sei RĂŒcklagen fĂŒr schlechtere Zeiten aufzubauen und die Verschuldung gering zu halten.
“Unser Erbe an die nĂ€chste Generation soll keine Finanzlast sein.”









































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