Freitag, 18. Mai 2012

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Heringsessen bei den Freien Wählern Hirschberg

Politik geht durch den Magen

Heringsessen der Freien Wähler Hirschberg. Bild: FW

Hirschberg, 24. Februar 2012. (red/pm) Zum Heringsessen am Aschermittwoch informierten die Freien Wehler die rund 30 interessierten Gäste über aktuelle politische Themen. Neben Kritik an der Bürgerinitiative Sterzwinlel, wurde hervorgehoben, dass die Freien Wähler eine neue Sporthalle 2014/15 für notwendig halten. Die Pro-Kopf-Verschuldung wird 2012 auf 300 Euro beziffert.

Information der Freien Wähler Hirschberg

“Das diesjährige Heringsessen der Freien Wähler Hirschberg am Aschermittwoch im Gasthaus „ Zur Bergstraße“ in Leutershausen war wieder sehr gut besucht. Deutlich über 30 Besucher konnte der 2. Vorsitzende, Volker Barzyk, begrüßen.

Er vertrat Alexander May, der auf einer längeren Auslandsreise ist. Barzyk freute sich besonders, dass Gassekerwe – Bojmoschter Erwin Rohr als Ersatz für den verhinderten Bürgermeister Manuel Just gekommen war. Barzyk sprach gleich ein kommunalpolitisches Thema an, er befasste sich mit der Pressemitteilung der Bürgerinitiative Sterzwinkel, beim ersten Lesen denke man an einen Scherz. Peter Johe, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Gemeinderat, ging später ausführlich darauf ein.

Nach dem Essen, es gab vorzügliche Heringsgerichte, ließ Peter Johe Ereignisse aus der Kommunalpolitik Revue passieren. Es sei inzwischen auch in der örtlichen Politik Übung geworden, am Aschermittwoch Bilanz zu ziehen. Johe griff die Aussage von Volker Barzyk bei der Begrüßung auf. Was die Bürgerinitiative dargelegt habe, sei in fast allen Punkten falsch. Man frage sich, ob sie nicht sehe, was im Sterzwinkel geschehen sei.

Nach Johe wurde 1989 der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Sterzwinkel im Gemeinderat gefasst. Der in der Bürgerinitiative heute maßgeblich Aktive Jürgen Glökler habe diesen Beschluss mitgetragen und bis 2004 – demnach 15 Jahre – keine Zweifel an der Richtigkeit des Baugebiets Sterzwinkel gehabt. Erst 2006 habe er dagegen votiert. 2009 sei der Bebauungsplan für Sterzwinkel rechtskräftig geworden, dann sei die Erschließung (Wasser, Abwasser, Straßen usw.) erfolgt, seit Anfang 2011 seien die Grundstücke baureif gewesen.

Bis heute seien von den 23 Gemeindegrundstücken 13 verkauft worden, bei den Gewerbegrundstücken der Gemeinde seien auch die meisten veräußert worden. Diese Erfolgsgeschichte in Frage zu stellen – wie von der Bürgerinitiative geschehen – könne er nicht nachvollziehen.

Auch unverständlich ist für Johe, dass Glökler die Gemeinderäte der Grünen Liste kritisiert habe für ihre positive Mitwirkung und Zustimmung bei Bauanträgen im Sterzwinkel. Man müsse sich fragen, welche demokratische Grundeinstellung der frühere Gemeinderat habe. Erfreulich sei, dass die Gemeinderäte sich zur Wehr gesetzt und ihr Verhalten nicht geändert hätten. Was bleibe, sei viel Unverständnis über den Inhalt dieser Pressemitteilung.

Das Thema „Neubau einer Trainingshalle“ durfte bei dem Bericht von Johe nicht fehlen. Die Freien Wähler hätten Ende 2011 den Antrag gestellt, die Frage des möglichen Standorts für diese Halle zu untersuchen. Bei der Entscheidung hierzu im Dezember 2011 seien drei Standorte genannt worden, einmal südlich der Sachsenhalle und zwei Möglichkeiten im oder beim Stadion in Leutershausen. Darüber habe es ein positives Votum des Gemeinderats gegeben.

Bei der Frage, ob für die Halle eine Notwendigkeit bestehe, sei das Abstimmungsverhalten der SPD auffällig gewesen. Erst habe sie für den Antrag von BM Just gestimmt – er wollte keine Untersuchung zum Bedarf für die Halle -. Beim folgenden Antrag der Freien Wähler habe die SPD diesen Antrag (eine Bedarfsanalyse ist durchzuführen) ebenfalls mitgetragen. Ein nicht nachvollziehbares Verhalten. – In der Folge beleuchtete Johe ausführlich die Notwendigkeit der Trainingshalle.

Aus seiner Sicht bestehe ein dringender Bedarf bei den Vereinen für weitere Hallenkapazitäten. Dies ergebe sich allein schon aus der Tatsache, dass die Gemeinde 13.000 € jährlich für die Anmietung von fremden Hallen zahle. Die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft nehme immer mehr zu. Bei einem Vortrag einer Professorin vom DKFZ in Heidelberg sei auch die These vertreten worden, dass Sport der Krebsvorsorge diene und auch bei der Krebstherapie hilfreich sei.

Letztlich seien ausreichende Möglichkeiten für sportliche Betätigung ein Teil der Lebensqualität einer Gemeinde und erhöhten den Wohnwert. Johe ist aber auch bewusst, dass in den nächsten 2 – 3 Jahren die Trainingshalle nicht gebaut werden könne, z.B. müsse bei einer Entscheidung für den Standort bei der Sachsenhalle zunächst der Bebauungsplan geändert werden. Er rechne mit einer Realisierungschance in den Jahren 2014/15. Für ihn ist auch vertretbar, die Halle mit Darlehen zu bauen, denn sie sei eine Zukunftsinvestition.

Zum Schluss seiner Betrachtung befasste sich Johe mit dem Haushalt 2012, der Ende März 2012 (Verspätung wegen Einführung der neuen Doppelten Buchführung – Doppik -) verabschiedet werden soll. Mit der Doppik sei der Haushaltsplan schwieriger zu lesen, Einzeldarstellung sei nicht mehr möglich.

In 2012 würden weitere 3,5 Mio € für das Hilfeleistungszentrum bereit gestellt. Damit seien einschl. der Einrichtung rd. 7,6 Mio € für dieses Projekt verplant. Nach heutiger Planung seien darin nur 3,0 Mio € als Darlehen enthalten. Dies sei vertretbar und erfreulich, denn auch hier handle es sich um eine Investition für die Zukunft.

Ende 2012 werde die Gemeinde eine Schuldenlast von rd. 300 €/Einwohner haben. Im Vergleich zu den übrigen Gemeinden im Rhein-Neckar-Kreis stehe Hirschberg immer noch sehr gut da. Nehme man die Schulden der übrigen Gemeinden – Stand Ende 2010 – und vergleiche sie mit den Ende 2012 zu erwartenden rd. 300 €/Einw. für Hirschberg, dann stehe Hirschberg an 13. Stelle von über 50 Kommunen – also immer noch im Vorderfeld.

Auf Rückfrage von den Teilnehmern – Manfred Kopp – stellte Johe fest, dass die Bedarfsermittlung für die Halle bei den Vereinen in 1 – 2 Jahren notwendig sei.

Gemeinde- und Kreisrat Fritz Bletzer meinte zur Verschuldung der Gemeinde, dass für die Darlehensbeträge auch Vermögenswerte geschaffen worden seien. Bei der Bedarfsfrage für die Halle gebe es für ihn keine Zweifel. Die Sportvereine würden auch an eine Angebotserweiterung denken, beispielhaft führte er Basketball an.

Hermann Volk kritisierte die letzte Wasserrechnung der Gemeinde, sie sei schwer zu lesen. Außerdem könne es Probleme bei der Abrechnung mit Mietern geben, wenn rückwirkend für das Jahr 2010 Kosten in Rechnung gestellt würden. Johe verwies i.d.Z. auf die Rechtssprechung, sie verlange eine rückwirkende Korrektur der Wasserrechnung. Hermann Volk bemängelte auch, dass von der Gemeinde kein Veranstaltungskalender mehr für das ganze Jahr geführt werde. Volker Barzyk erklärte, dass die Vereine ihre Termine nun selbst auf der Internetseite der Gemeinde eintragen müssten.

Bei den Gesprächen am Tisch wurde dargelegt, dass beim Parken auf den Gehsteigen neuerdings mehr Rücksicht auf die Fußgänger, Mütter mit Kinderwagen und Rollatornutzer genommen würde. Offensichtlich sei die Gemeindeverwaltung bei den Kontrollen aktiver geworden.

Beim leidigen Thema „Ampelschaltungen in Großsachsen“ könne eine Verbesserung festgestellt werden. Die Wartezeiten betrügen nicht mehr 8 Minuten und länger, man könne auch mal schon in der Breitgasse oder an der Hohensachsenerstraße nach 2 oder 3 Minuten wieder losfahren.

Beim Ausbau der OEG seien für Fußgänger und Radfahrer nicht immer glückliche Ampelpositionen gewählt worden. Als Beispiel wurde die Einmündung der Goethestraße in die B 3 in Leutershausen genannt.

Kritisch angemerkt wurde die Tatsache, dass auf dem Dorfplatz in Großsachsen immer noch Reste des Silvesterfeuerwerks herumlägen. Bei der kürzlichen Frostperiode sei der Dorfplatz auch nicht ausreichend gestreut worden. Besucher der Gewerbebetriebe in der ehemaligen Tabakfabrik hätten dies festgestellt.”

Kommentare

  1. Bürger meint:

    Guten Tag,

    es ist bedauerlich, dass die Freien Wähler nicht auf die Argumente des Artikels der BI Sterzwinkel konkret eingehen sondern nur pauschal mit alten Argumenten kommen. Schade.

    Ich habe den Artikel anders verstanden.

    1. Das Baugebiet entwickelt sich schleppend, gute Baugebiete werden schneller erschlossen. Liegt es evtl. doch an der Attraktivität? Wenn seit über 3 Jahren die Gemeinde erst 56% ihrer Grundstücke verkauft hat, kann man schwer von einem Erfolg reden? Erfolg sieht evtl. anders aus (auch wenn man bedenkt, dass das Gebiet schon 20 Jahre diskutiert wird).

    2. Das Baugebiet kostet lt. Artikel der Bürgerinitiative der Gemeinde mehr als es an Nutzen bringt (wie man hört fehlt immer noch die nachhaltige Berechnung des Areals, welches die Bürgerinitiative seit 2009 fordert). Wenn also durch ein Baugebiet evtl. alle Bürger mehr zahlen, weil es sich nicht rechnet (außer für die Grundstücksbesitzer), wo ist dann der nachhaltige Nutzen ?

    Richtig ist, dass der Beschluß durch den damaligen Gemeinderat zu einer Zeit gefasst wurde, als es noch kein Gewerbegebiet gab und völlig andere Voraussetzungen im Ort waren (u.a. auch evtl. eine andere demographische Entwicklung?). Hier kann man die Freien Wähler nur bedauern, denn sie halten an 20 Jahre alten Beschlüssen fest ohne zu beachten, dass sich die Umwelt ändert. Gott sei dank gibt es Politiker, die Ihre Meinungen ändern.

    Die Forderung nach einer neuen dritten Sporthalle zeigt ebenso, dass hier der Realitätssinn mit Blick auf die Verschuldung fehlt und nicht objektiv die Situation dargestellt wird.

    Grob gerechnet sind nur ca. 30% aller Bürger in Hirschberg in Vereinen. Warum sollen die restlichen 70% für etwas bezahlen, wenn sie es gar nicht nutzen? Wäre es nicht fair, wenn sich die Vereine, die eine Halle fordern, zusammenschließen und versuchen, in Eigenarbeit eine Halle zu bauen (z.B. durch Spenden oder eigene Hilfe? Evtl. sind ja genügend Handwerker und Bauunternehmer in den Vereinen aktiv. In Hohensachsen hat man vor Jahrzehnten doch auch durch Eigeninitiative eine Sporthalle gebaut.

    Man könnte ja auch die Grundstückseigentümer des Sterzwinkel auf eine Spende anfragen, denn schließlich sind hier ca. 20 Mio. auf Kosten der Allgemeinheit eingenommen worden. 5 % des Grundstücksverkaufs als Spende wäre doch mal eine faire Sache. Ich kann mir die Antwort schon jetzt denken. Wahrscheinlich ein schlechter Scherz.

    Immer nur Gemeindegeld ausgeben (bzw. nach dem Staat rufen) ist einfach, es merkt der Einzelne ja nicht. Das ist eine sehr traurige und egoistische Haltung. Wie wäre es, wenn Vereine einmal selber die Sache in die Hand nehmen würden ? Ist das wirklich zu viel verlangt?

    Es ist sicher richtig, dass eine Verschuldung von ca. € 300,- pro Bürger im Durchschnitt noch gut ist, aber es kommt doch wohl auf die Betrachtung an oder?

    Hirschberg hatte im Jahre 2005 (wie man in der Statistik des Landesamtes nachlesen kann) nur ca. € 8,- Schulden pro Einwohner bzw. insgesamt € 75.000,- Schulden. Ist das eine erfreuliche Entwicklung (eine Steigerung von über 3.700% pro Einwohner in ca. 7 Jahren)? Allein das Hilfeleistungszentrum kostet über 7 Mio. Euro wie im Artikel oben erwähnt, davon allein 3 Mio. Euro Schulden! Die Kanalisation wird fast 6 Mio. Euro verschlingen (so die Aussagen des Bürgermeisters) in den kommenden Jahren. Wer weiß was noch alles kommt. Und immer auf sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen hoffen ist doch wohl etwas riskant.

    Ferner schrumpft Hirschberg an der Anzahl Einwohner in den kommenden Jahren (trotz Neubaugebiete, welche die Demographie und den damit verbundenen Wandel auch nicht aufhalten können). Das bestätigen z.B. die Gutschten der Metropolregion Rhein Neckar und der Bertelsmann Stiftung. Das bedeutet weniger Einnahmen bei der Umlage der Einkommensteuer. Wo findet dies bei den Freien Wählern Berücksichtigung ?

    Bei näherer Betrachtung stell man ebenfalls fest, dass die meisten Gemeinden in Baden Württemberg in den letzten Jahren ihre Schulden reduziert haben. Nicht so Hirschberg, hier ist die Tendenz in Richtung Schulden aufbauen.

    Ich finde es wäre fair, wenn die freien Wähler einmal die Wahrheit transparent, objektiv und ehrlich darstellen würden und weniger polemisch und verzerrt.

    Das würde dem sachlichen Austausch sicher helfen. Dann können die Bürger / Leser entscheiden, welcher Artikel bzw. welche Aussage ein Scherz ist und welche nicht.

  2. Breitgässler meint:

    Ohhhh wie langweilig. Von einem Pferd, das totgeritten ist, sollte man mal absteigen. Beide Seiten sollten das tun.
    Aber auch Herr Johe scheint ein Sterzwinkel-Trauma zu haben. Vielleicht weil Herr Johe lange gegen ! die Sterzwinkel-Bebauung war, aber immer nur und immer wieder Herr Glöckler angreift.

  3. Marco meint:

    Mal schauen wie gut Herr Hans-Olaf Henkel den Freien Wählern tut. Ich denke so eine Euro-kritische Stimme hat noch gefehlt.

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