Dienstag, 18. Juni 2013

DIW: Kaufkraft sinkt – Wer wenig hatte, hat noch weniger


Kaufkraft sinkt bei kleinen Einkommen dramatisch.

Rhein-Neckar, 19. Juli 2011. (red) Die Entwicklung ist dramatisch – vor allem für Beschäftige mit niedrigen Einkommen. In den vergangenen zehn Jahren haben sich “kleine” Einkommen um bis zu 22 Prozent reduziert. Die Besserverdiener haben kaum verloren oder sogar leicht hinzugewonnen.

Von Hardy Prothmann

Die Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin sind erschütternd. Einkommenbezieher der “unteren Mittelschicht” sind besonders betroffen, also beispielsweise Sicherheitsleute, Frisöre, Verkäufer, Lagerarbeiter, Servicekräfte, Leiharbeiter.

Personen, die 2010 noch ein Nettoeinkommen von 835 Euro hatten, kommen jetzt gerade mal auf 705 Euro. Absolute Geringverdiener, die 2000 noch 270 Euro hatten, kommen 2010 auf nur noch 211 Euro netto.

Erst ab einem Nettoeinkommen von 1.421 Euro sinken die Verluste auf -9 bis -4 Euro. Gut verdienende Angestellte ab 3.400 Euro netto haben hingegen als einzige ein leichtes Plus von 27 Euro zu verzeichnen.

Die Statistik umfasst einen Mittelwert von 35,3 Millionen Beschäftigen in Deutschland. Das DIW hat die Daten mittels Umfrage ermittelt den Reallohn errechnet, also Nettoeinkommen abzüglich Inflation.

Unterm Strich sind die Kaufkraft insgesamt deutlich – nur die Besserverdienenden kommen vergleichsweise gut weg. Die Zahlen wurden heute vom DIW in Berlin durch den Forscher Markus Grabka vorgestellt.

Laut Spiegel online ist vor allem die “Mittelschicht” betroffen:

“Laut Grabka ist die untere Mittelschicht von der negativen Entwicklung am stärksten betroffen. “Das liegt vor allem an der wachsenden Zahl atypischer Beschäftigungsverhältnisse.” Dazu zählen neben Leiharbeit auch befristete und geringfügige Stellen sowie Teilzeitjobs, in denen die Arbeitszeit unter 20 Stunden pro Woche liegt. Die Zahl dieser Stellen stieg 2010 in Deutschland auf 7,84 Millionen. Von den 322.000 Jobs, die 2010 geschaffen wurden, waren laut Statistischem Bundesamt 182.000 Leiharbeiter-Stellen – also 57 Prozent. Die Zahl der Leiharbeiter stieg auf insgesamt 742.000 und erreichte damit einen neuen Höchstwert.”

Regionale Daten waren wegen der Umfragemethode durch das DIW auf Anfrage nicht zu erhalten.

Anmerkung der Redaktion:
Wir suchen für einen Hintergrundartikel immer noch Aufstocker, die trotz voller Stelle auf Hartz IV angewiesen sind. Wir behandeln alle Informationen vertraulich.

Freiwillige Wehrpflicht – Widerspruch gegen Datenübermittlung oder berufliche Chance?


Soldaten im UNIFIL-Einsatz dekorieren ihren Weihnachtsbaum. (Quelle: Bundeswehr/Bienert/Andrea Bienert)

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 19. Juli 2011. (red/pm) Die Wehrpflicht ist seit dem 01. Juli 2011 ausgesetzt. Das heißt, es wird niemand mehr “gezogen”. Trotzdem braucht die Bundeswehr Nachwuchs. Ab sofort können sich neben Männern auch Frauen zum freiwilligen Wehrdienst melden. Die Möglichkeiten bei der Bundeswehr sind vielfältig. Wer nicht als möglicher Freiwilliger erfasst werden möchte, muss der Datenübermittlung widersprechen.

Von Hardy Prothmann

Die Stadt Ladenburg hat uns per Pressemitteilung informiert:

“Die §§ 15 und 24a des Wehrpflichtgesetzes werden ab dem 1. Juli 2011 ausgesetzt. An dessen Stelle tritt § 58 Wehrpflichtgesetz mit der einmaligen Übermittlungspflicht pro Jahr (für 2011 im Oktober). Dabei übermitteln die Meldebehörden zum Zweck der Übersendung von Informationsmaterial nach Absatz 2 Satz 1 dem Bundesamt für Wehrverwaltung jährlich bis zum 31. März folgende Daten zu Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit, die im nächsten Jahr volljährig werden:

1. Familienname,
2. Vornamen,
3. gegenwärtige Anschrift.

Die Datenübermittlung unterbleibt, wenn die Betroffenen ihr nach § 18 Absatz 7 des Melderechtsrahmengesetzes widersprochen haben. Widersprüche gegen eine Datenübermittlung sind bis zum 30.09.2011 an die Stadtverwaltung Ladenburg zu richten.”

Nach Angaben einer Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums ist die Information jedoch nicht vollständig. Da auch Frauen in den freiwilligen Wehrdienst eintreten können und deren Daten ebenfalls übermittelt werden, muss es heißen:

“Männer und Frauen können der Übersendung der Daten durch die Meldebehörden jedoch nach § 18 Absatz 7 des Melderechtsrahmengesetzes in der Fassung des Wehrrechtsänderungsgesetzes 2011 ohne Angabe von Gründen widersprechen.

Die Betroffenen sind auf ihr Widerspruchsrecht bei der Anmeldung und im Oktober eines jeden Jahres durch öffentliche Bekanntmachung hinzuweisen.”

Was heißt das konkret? Ihre Daten werden an die Wehrverwaltung übermittelt – außer, Sie widersprechen bei der für Sie zuständigen Gemeindeverwaltung schriftlich.

Wer sich hingegen für den Bundeswehrdienst interessiert, kann sich über die Wehrdienstbeauftragten bei den Kreiswehrersatzämtern über die Arbeitsbedingungen informieren.

Im freiwilligen Wehrdienst, der bis zu 23 Monate dauern kann, wird die Besoldung angehoben. Bis zum dritten Monat verdient man dort als Wehrfreiwilliger 777,30 Euro netto monatlich. Der Sold ist steuerbefreit. Der Sold steigt, vom 19.-23. Monat beispielsweise auf 1.150 Euro.

Zeitsoldaten verdienen deutlich mehr. Beispielsweise verdient ein Freiwilliger inklusive Zulagen vom 4.-6. Monat 1.088 Euro netto, der Zeitsoldat aber 1.503 Euro netto.

Die ersten sechs Monate sind eine beiderseitige “Probezeit” – wie bei einem “normalen” Arbeitsverhältnis. Danach können Freiwillige beliebig verlängern. Ab dem 13. Monat müssen sie allerdings auch damit rechnen, in Einsatzgebiete wie Afghanistan abkommandiert zu werden.

Zeitsoldaten erhalten je nach Dauer der Dienstzeit bis zu drei Jahren berufsfördernde Maßnahmen oder können je nach Schulabschluss und Eignung auch studieren.

Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig, weshalb Interessenten sich individuell beraten lassen sollten. Von Seiten der Bundeswehr sind die Bewerberzahlen so gut, dass “wir auswählen können”, wie uns ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums (BMVg) auf Anfrage sagte.

Beim BMVg rechnet man damit, dass die Zahl der weiblichen, freiwilligen Kräfte steigen wird, “nicht signifikant, aber deutlich”.

Aktuell sind 216.750 Personen im militärischen Dienst, davon 210.000 “an der Waffe”, die restlichen 16.000 in Ausbildungen. Insgesamt dienen 17.556 Frauen.