Montag, 20. Mai 2013

Uli Sckerl: Stuttgart21 haben wir jetzt gut gelöst


Rhein-Neckar, 21. April 2011 (red) Stuttgart21 ist einer der dicksten Brocken in den Koalitionsverhandlungen der künftigen Grün-Roten Regeriung gewesen. Seit Mittwoch, den 20. April 2011, gibt es eine Lösung. Oder sogar mehrere: Die Grünen rechnen damit, dass der Stresstest negativ ausfällt. Weiteres Geld will die neue Landesregierung ebenfalls nicht bereitstellen und wenn das nicht hilft, soll eine Volksabstimmung die Tieferlegung des Bahnhofs verhindern. Wir haben den Abgeordneten Uli Sckerl exklusiv befragt.

Von Hardy Prothmann

Herr Sckerl, wie sind die Koalitionsverhandlungen in Sachen Stuttgart21 aus Ihrer Sicht gelaufen?

Hans-Ulrich Sckerl: “Die waren sehr angespannt, aber ich kann heute mal umgangssprachlich sagen: Die Kuh ist seit gestern vom Eis.”

Was war so schwierig?

Sckerl: Der Weg zu einer Volksabstimmung. Wir sind jetzt an dem Punkt, dass die Volksabstimmung im Oktober 2011 stattfinden soll. Darüber gibt es ein Einvernehmen in der Vorgehensweise.

Hans-Ulrich Sckerl ist Landtagsabgeordneter Bündnis90/Die Gründen für den Wahlkreis 39, Weinheim. Foto: B90/Die Grünen

Die wäre?

Sckerl: Die Volksabstimmung wird nur zur Tieferlegung des Bahnhofs stattfinden. Nicht zu der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm. Wir können in Baden-Württemberg das Volk auch nur über die Frage abstimmen lassen, ob das Land den Tiefbahnhof mitbezahlen soll. Alles andere wäre politisch und juristisch zu schwierig.

Drohen keine Klagen?

Sckerl: Die sehen wir bei diesem Vorgehen nicht. Wenn wir über das Projekt insgesamt abstimmen lassen wollten, wäre das schwieriger, so aber können die Baden-Württemberger über die Landesbeteiligung beim eigentlichen Streitpunkt, dem Bahnhof, abstimmen.

Wenn das Quorum erreicht wird.

Sckerl: Das Quorum von 2,5 Millionen Bürgerinnen und Bürgern zu erreichen, ist aus heutiger Sicht sehr schwer. Wir werden bis zur Volksabstimmung versuchen, diese durch eine Gesetzesänderung zu verringern.

Die CDU wird sich bewegen müssen.

Dafür brauchen Sie eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Sckerl: Die haben wir nicht, aber die CDU wird sich dringend überlegen müssen, ob sie sich nur bürgernäher als früher gibt oder das auch sein will.

Was, wenn weder die Gesetzesänderung klappt noch das Quorum?

Sckerl: Angenommen, das Quorum wird nicht erreicht und es gibt trotzdem eine Mehrheit der Bürger, die gegen die Landesbeteiligung am Bahnhof sind: Wie die Landesregierung darauf dann reagiert, darüber gibt es derzeit unterschiedliche Auffassungen. Wir Grüne wollen das Volksvotum auch dann akzeptieren, die SPD sieht das anders und meint, dann gelte die bisherige Beschlusslage.

Volksabstimmung fraglich

Da würde ich es mit der SPD halten – gescheitert ist gescheitert, auch wenn es daran hängt, dass die Bedingungen eigentlich Schuld sind.

Sckerl: Wie gesagt, da gibt es unterschiedliche Standpunkte. Wir werden aber in der Lage sein, das am Tag X im Einklang mit der Verfassung zu beantworten. Da bin ich ganz zuversichtlich. Wir glauben aber auch und in erster Linie , dass es soweit erst gar nicht kommen wird.

Warum?

Sckerl: Weil wir annehmen, dass der Stresstest der Bahn negativ ausgeht und hohe Mehrkosten bedeutet. Im Juni sollen die Ergebnisse vorliegen und wenn die Ergebnisse negativ sind, dann erledigt sich S21 von selbst. Dann braucht es auch keine Volksabstimmung zur Tieferlegung des Bahnhofs mehr.

Und wenn nicht?

Sckerl: Dann kommt immer noch die Hürde mit den Finanzen. Wir sind uns einig, dass das Ende der Finanzierung bei 4,5 Milliarden Euro erreicht ist. Von der Landesregierung wird es keine weiteren Mittel geben. Da auch Bund und Bahn nicht mehr Geld investieren wollen, könnte die Tieferlegung auch spätestens an der Nicht-Finanzierung scheitern.

Stuttgart21 war die Hauptfrage

Es gab viele Spekulationen über die schwierigen Koalitionsverhandlungen insgesamt. Geht es nur um Stuttgart21 oder auch um andere schwierige Fragen?

Sckerl: Stuttgart21 war die Hauptfrage, die wir sehr intensiv verhandelt haben. Das haben wir jetzt gut gelöst und eine Basis für die anderen Verhandlungen gefunden. Wir werden den Menschen einen wirklichen Politikwechsel und gute Ergebnisse in der ganzen Breite der Landesthemen anbieten.

Welche Rolle übernimmt der Abgeordnete Uli Sckerl in der neuen Regierung?

Sckerl: Im Vordergrund standen bisher die Sachthemen, übers Personal ist noch gar nicht geredet worden. Erste Aussagen dürfen Sie nicht vor dem 28. April 2011 erwarten. Dann können Sie gerne nochmal nachfragen.

Zur Person:
Hans-Ulrich Sckerl ist zum zweiten Mal als Landtagsabgeordneter Bündnis90/Die Grünen im Wahlkreis 39, Weinheim, gewählt worden. Der Weinheimer hat zwar nicht das Direktmandat gewonnen, aber deutlich mehr Stimmen gewonnen als die Grünen im Landesdurchschnitt.
Der Jurist wird für eine herausragende Position innerhalb der neuen Landesregierung gehandelt.

“Sternschnuppenschauer” nur müdes Blinken


"Wunschmeldung" in vielen Medien - wo ist er, der Sternschnuppenregen?

Rhein-Neckar, 21. April 2011 (red) Dieses Jahr können nachtaktive Naturfreunde und Hobbyastronomen in klaren Nächten vom 16. – 25. April 2011 Sternschnuppenschauer, die sogenannten „Lyriden“, beobachten. So heißt es jedenfalls in einer dpa-Meldung , die durch viele regionale und überregionale Medien “geisterte”. Um allerdings überhaupt eine Sternschnuppe am Himmel zu entdecken, muss man schon eine gehörige Menge Geduld mitbringen. Vielleicht sollte man seine Zeit besser für etwas anderes nutzen.

Von Christiane Eisele

Die Bezeichnung „Lyriden“ leitet sich aus dem Radianten (Ursprung), von Meteoridenströmen ab, der im Sternbild Leier liegt (lat. „Lyra“) in der Nähe des Sterns Wega.

Die Erde kreuzt jedes Jahr auf ihrer Bahn diese Ströme von zerfallenden Meteoriden und sich auflösenden Kometen. Viele dieser Meteoriden tauchen dann in die Erdatmosphäre ein, verglühen und gehen als Sternschnuppen nieder. Im Maximum, der größten Nähe der Erde zu den Meteoridenströmen (22. April 2011) sieht man die meisten Sternschnuppen.

Das Sternbild Leier ist ein Sommersternbild, es steht relativ flach am Horizont und ist in den Stunden von 22:00 bis 04:00 Uhr hoch genug am Himmel für Beobachtungen. In dieser Zeit sind Sternschnuppen am besten zu sehen.

So weit die Theorie.

Praktisch stellt sich der „Sternschnuppenschauer“ als reiner Etikettenschwindel heraus, wenn man diese Meldung näher überprüft.

Experten wie Frau Dr. Monika Maintz vom Planetarium Mannheim sprechen von etwa zehn bis höchstens 20 Sternschnuppen in der Stunde.

Um diese Sternschnuppen zu sehen, sollte man einen Platz fernab menschlicher Beleuchtung aufsuchen. In unserer Region etwa ein freies Feld im Odenwald bei Rippenweiher oder Usenbach oder einen Bergkamm in der Gegend um Bammental. Für die meisten Interessierten ist also schon die Anreise zum Beobachtungspunkt eine zeitintensive Sache.

Hat man die Anreise hinter sich gebracht und sich am Beobachtungsplatz mit freiem Rundumblick auf den Himmel eingerichtet, wird man vom angekündigten Sternschnuppenschauer trotzdem eher wenig bemerken.

Geht man im Mittel von fünfzehn Sternschnuppen in der Stunde aus, dann ist das gerade mal eine Sternschnuppe alle vier Minuten. Und die kann überall am Himmel auftauchen. Man muss also ständig das gesamte Firmament im Auge behalten. Ganz schön anstrengend, mitten in der Nacht. Aprilnächte sind mitunter auch empfindlich kalt, gemütlich wird die Beobachtung mit Sicherheit nicht.

Am 18. April 2011 war Vollmond, bei Erreichen des Maximums am 22. April 2011 leuchtet der Mond immer noch sehr hell und erschwert das Entdecken der wenigen Sternschnuppen zusätzlich.

Der Astronom Dr. Hans Jungbluth aus Karlsruhe sieht die Pressemeldungen über den Sternschnuppenstrom mit einigem Erstaunen. Angesichts von Sternschnuppenschauern mit über 100 Sternschnuppen die um den 10. August 2011 herum zu sehen sind („die Tränen des Laurentius“), versteht er gar nicht, woher das plötzliche Medieninteresse an diesem lauen Sternschnuppenschauer kommt. Vor 25 Jahren wäre den Astronomen überhaupt erst aufgefallen, dass es im April eine minimale Sternschnuppenhäufung gibt.

Statt an Ostern also mitten in der Nacht auf einem gefrorenen Acker den sternenklaren Himmel vielleicht vergeblich nach den wenigen Sternschnuppen abzusuchen, sollte man lieber einen Blick in unseren Terminkalender riskieren. Da findet sich mit Sicherheit die ein oder andere Veranstaltung, die mehr Spaß verspricht.

Literaturtipp für Interessierte: Kosmos Himmelsjahr 2011, Sonne Mond und Sterne im Himmelslauf von Hans-Ullrich Keller, 14,95 Euro