Guten Tag!
Rhein-Neckar, 04. MĂ€rz 2011. Matthias Hördt ist Landtagskandidat von Die Linke. In seinem Beitrag fĂŒr das rheinneckarblog schreibt er ĂŒber das, “Was mir sonst wichtig ist…”.
Von Matthias Hördt
An zukĂŒnftige Generationen denken!
Langfristig LebensqualitÀt sichern!
Ich will, dass auch langfristig die Lebensbedingungen in Baden-WĂŒrttemberg sicher und angenehm, und die finanziellen Belastungen fĂŒr die Bevölkerung ertrĂ€glich sind.
Weniger Lebensenge!
Das Leben der Baden-WĂŒrttemberger darf nicht unnötig eingeengt werden. Weder durch selbst auferlegten Gruppendruck, der einen diffusen gemeinsamen Erfolg erzwingen soll, noch durch die zusĂ€tzliche Bebauung weiterer Landschaftsbereiche, in der die Bevölkerung momentan ihre Freizeit gestaltet und den die Landwirte als Produktionsgrundlage brauchen. Ich bin nicht der Meinung, dass alles einheitlich geregelt werden muss. Die Devise muss lauten:
So viel individuelle Freiheit wie möglich und so viel kollektive Sicherheit wie nötig!
Gute Freizeitmöglichkeiten fĂŒr alle!

Die Linke-Landtagskandidat Matthias Hördt. Bild: privat
Gerade in so einer dicht besiedelten Gegend wie bei uns, dĂŒrfen keine weiteren landwirtschaftlichen FlĂ€chen verbraucht werden. Neue Bau- und Gewerbegebiete bedeuten weniger Feldwege, was ein wichtiger Grund fĂŒr mich ist, dagegen zu sein. Denn Radfahren, Inline-Scaten und Spazieren gehen ist dann nicht mehr so schön und auf den verbleibenden Feldwegen gibt es mehr GedrĂ€nge. Zudem bedeuten mehr bebaute FlĂ€chen mehr Infrastruktur, die kostenintensiv unterhalten werden muss. Wer darĂŒber jammert, dass unser StraĂennetz in so einem schlechten Zustand ist, sollte einmal bedenken, dass zwar die Menge der StraĂen nicht aber die Bevölkerung zugenommen hat.
Lebendige Arbeit im Land!
Zu einem lebendigen Land gehören Betriebe in denen etwas hergestellt oder repariert wird. Deshalb mĂŒssen Handwerks- und eventuell sogar kleine Produktionsbetriebe weiterhin oder wieder hier ihr Domizil haben. Wohlstand und gute LebensqualitĂ€t entsteht halt nur, wenn mit den HĂ€nden etwas gemacht wurde. Die Entscheidung in einem VorstandsbĂŒro hilft nichts, wenn es niemanden gibt, der Ideen umsetzt. Alle Menschen mĂŒssen die Möglichkeit haben, mit ehrlicher Arbeit ein gutes Einkommen zu erzielen, das ein Leben ohne weitere saatliche zuschĂŒsse und Almosen ermöglicht.
Global Denken – Lokal Handeln!
Regionale und globale Aspekte mĂŒssen bei allen Entscheidungen berĂŒcksichtigt werden, denn jede Entscheidung aus dem Landtag wirkt sich eventuell auf den gesamten Globus aus. Diese Auswirkungen gilt es, in die Ăberlegungen mit einzubeziehen. Das Denken darf nicht an der Grenze aufhören!
GewerbeflÀchen besser nutzen!
Ich will keine weiteren Gewerbegebiete ausweisen, sondern vorhandene GewerbeflĂ€chen besser nutzen. Akzeptabel sind fĂŒr mich sinnvolle Arrondierungen und VervollstĂ€ndigungen bereits bestehender Gewerbegebiete. Die vorhandenen Gewerbegebiete reichen aus, um den Bedarf an Erzeugnissen und Dienstleistungen zu decken. Die zahlreichen LeerstĂ€nde und Unternutzungen beweisen es eindrucksvoll. Der ProduktivitĂ€tsfortschritt und die Bevölkerungsentwicklung wird zukĂŒnftig noch weniger GewerbeflĂ€chen erfordern. ZukĂŒnftige Industrie- und Gewerbebrachen mĂŒssen verhindert werden, weil dies die Altlasten der kommenden Generationen sind. Entwicklung muss in bereits erschlossenen Gebieten stattfinden. Es gibt in den StĂ€dten zahlreiche ganz oder teilweise leerstehende GebĂ€ude. Wenn es Investoren weiter leicht gemacht wird, auf die grĂŒne Wiese zu bauen, ohne RĂŒcksicht auf bereits bestehende Bebauungen nehmen zu mĂŒssen, so lange dĂŒrfen wir uns nicht wundern, wenn die LeerstĂ€nde in den StĂ€dten mehr und nicht weniger werden, und ganze Landstriche in lĂ€ndlichen Regionen ausbluten.
Grundversorgung sichern!
Wasser ist das wichtigste Lebensmittel. Dieses muss fĂŒr die gesamte Bevölkerung in qualitativ gutem Zustand und in ausreichender Menge vorhanden sein. Experimente mit Privatisierungen in diesem Bereich wird es mit mir nicht geben. Wasser muss im Eigentum der Bevölkerung bleiben.
Strom in BĂŒrgerhand
Die Stromversorgung muss ins Eigentum der Bevölkerung ĂŒberfĂŒhrt werden. Das Stromnetz ist ein bedeutender Faktor der LebensqualitĂ€t und darf nicht als Spekulationsobjekt verspielt werden. Ebenso die Frisch- und Abwasserleitungen. Regenerative Energien mĂŒssen stĂ€rker genutzt werden.
Erhalt landwirtschaftlicher AnbauflÀchen!
Der Erhalt landwirtschaftlicher AnbauflĂ€chen ist mir sehr wichtig. Um sichere Nahrung fĂŒr die Bevölkerung zu gewĂ€hrleisten, bedarf es verbrauchsnaher Produktion. Nur so lassen sich Lebensmittel sicher kontrollieren. Ebenso entfallen lange Transportwege mit allen ihren Nachteilen. Deshalb dĂŒrfen keine weiteren landwirtschaftlichen Gebiete einer anderen Nutzung zugefĂŒhrt werden. Die Vernichtung landwirtschaftlicher Produktion bei uns, wirkt sich global aus. Weil bei uns weniger angebaut wird, mĂŒssen mehr Nahrungs- und Futtermittel aus anderen Kontinenten eingefĂŒhrt werden, was die AbhĂ€ngigkeit von auĂen erhöht und unsere Versorgungssicherheit mindert. Eine Kontrolle ĂŒber Anbauart und Zusammensetzung wird ebenfalls erschwert, was zu mehr Lebensmittelskandalen fĂŒhren wird. Geliefert wird meist aus Gegenden, wo ein Teil der Bevölkerung hungern muss, weil Getreide auf dem Weltmarkt zu höheren Preisen abgesetzt werden kann, als sie bezahlen kann. Ich will es nicht hinnehmen, dass Menschen hungern mĂŒssen, um unsere Schweine und Rinder zu mĂ€sten.
Standortwettbewerb ĂŒberwinden!
Ich will den Standortwettbewerb der Regionen ĂŒberwinden! Dieser wird leider von diesen gegenseitig angeheizt. Gewinnen tun dabei nur wenige Privatleute und Kapitalgesellschaften, was aber nicht Ziel einer auf das Gemeinwohl verpflichteten Politik sein darf. Ich werde nichts unternehmen, was den Standortwettbewerb weiter anfacht. Konkurrenz durch Kooperation ablösen. Es darf nicht so weitergehen, dass die GrundstĂŒckspreise in der Region immer weiter nach unten gedrĂŒckt werden und Investoren so wertvollen Boden billig erhalten. Schon jetzt geben die StĂ€dte in Baden-WĂŒrttemberg ihr GelĂ€nde zu einem Preis ab, der gerade die Selbstkosten trĂ€gt. Der finanzielle Spielraum wird dadurch nicht erhöht. Im Gegenteil: Durch Kosten fĂŒr StraĂenreinigung und -beleuchtung lege sie schon von Anfang an drauf. Wenn nach wenigen Jahren erste Reparaturarbeiten fĂ€llig sind, ist das MinusgeschĂ€ft perfekt. ZusĂ€tzliche ArbeitsplĂ€tze entstehen auch nicht, es wird lediglich deren Verteilung in der FlĂ€che subventioniert. Zudem sei angemerkt, dass die meisten Investitionen ArbeitsplĂ€tze eher vernichten, weil dann weniger Leute mehr herstellen. Dies ist im Grunde nicht schlimm, sondern Zeichen des Fortschritts. Nur sollte es eben nicht gefördert werden.
Baden-WĂŒrttemberg aktiv!
Das Land muss selbst eine aktivere Rolle im Baden-WĂŒrttemberger Wirtschaftsleben spielen. Hier denke ich insbesondere an den öffentlichen Personennahverkehr.
GlĂ€serner Kandidat – GlĂ€serner Abgeordneter
Um das Vertrauen der Bevölkerung in mich zu stĂ€rken bin ich ein glĂ€serner Kandidat und will ein glĂ€serner Abgeordneter sein! Ich werde alle Einnahmen und Ausgaben im Zusammenhang mit meiner Kandidatur fĂŒr Interessierte offen legen. Spenden nehme ich nur an, wenn sich die Spenderin / der Spender offen dazu bekennt. Wenn ich gewĂ€hlt bin, werde ich alle Einnahmen, auch geldwerte Vorteile, und Ausgaben, die ich im Zusammenhang mit dieser Position habe veröffentlichen.
Raum und Zeit fĂŒr MuĂe
Wir dĂŒrfen bei der Erziehung unserer Kinder nicht nur darauf abzielen, dass sie die in sie gesteckten Leistungserwartungen erfĂŒllen, sondern wir mĂŒssen Ihnen Raum und Zeit fĂŒr MuĂe geben. Im Augenblick geht es in der Bildungsdiskussion leider nur darum, unsere Kinder möglichst schnell fĂŒr den kapitalistischen Verwertungsprozess reif zu machen, was ich falsch finde. Eine Gesellschaft deren primĂ€res Ziel es ist, einigen wenigen grenzenlosen Reichtum zu bescheren, ist zum Scheitern verurteilt. Gesellschaft ist nicht die Summe aller Menschen, sondern der Geist der sie verbindet. Diesen Gemeinschaftsgeist gilt es zu pflegen und zu fördern, und nicht diejenigen, die fĂŒr sich möglichst viel aus der Gesellschaft herausholen wollen. Einkommensunterschiede aufgrund besonderer Leistungen soll es schon geben. Aber sie mĂŒssen in einem gesunden VerhĂ€ltnis stehen.
Anmerkung der Redaktion:
Dieser Text ist in der Reihe “Was mir sonst wichtig ist…” erschienen. Wir haben die Landtagskandidaten von CDU, BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen, SPD, FDP, Die Linke und die Piratenpartei ums Mitmachen gebeten. Die vier etablierten Parteien haben wir selbstverstĂ€ndlich eingeladen, die Parteien Die Linke und Piratenpartei wegen ihrer zumindest wahrnehmbaren “PopularitĂ€t”. Das ist eine subjektive Auswahl.
Die Kandidaten haben die Möglichkeit sich und ihre Politik abseits der “groĂen” Wahlkampfthemen zu prĂ€sentieren – kostenfrei und ohne redaktionelle Bearbeitung, also ebenfalls ganz subjektiv.
Die ist der letzte Beitrag in der Reihe: Geantwortet haben CDU, SPD, BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen, Piratenpartei und Die Linke. Die FDP-Kandidatin Dr. Birgit Arnold hat weder geantwortet noch abgesagt.



















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