Guten Tag
Hirschberg, 24. September 2010. (red) In Heddesheim wird eine Frau erstochen – der Tatort ist gleich um die Ecke und führt die Leser auch nach Hirschberg. Alexander Gerlach ermittelt – mittlerweile in der dritten Auflage.
Von Sabine Prothmann
Heddesheim. Früh am Morgen. Einsatzwagen stehen vor dem Hochhaus in der Schriesheimer Straße. Im 14. Stock wurde eine Leiche gefunden.
Das 16-stöckige Gebäude steht am Rande der früheren “Tabakgemeinde”. Von hier hat man einen (noch) guten Blick auf die Bergstraße. Es handelt sich um das höchste Haus des nordbadischen Wohnorts. Eine Frau wurde erstochen, ein Verbrechen wurde begangen.
„Wir -€¦ stehen im neonbeleuchteten Flur des vierzehnten Stocks eines Hochhauses am Rande von Heddesheim.“, liest man auf der ersten Seite von „Eiskaltes Schweigen“, dem neuesten Romans des Karlsruher Krimiautors Wolfgang Burger.
Ich lebe hier, ich mache den Tatort aus. Ein Hochhaus mit 16 Stockwerken am Rande des Ortes – das finde ich schnell, viele Hochhäuser haben wir hier nicht.
Was ist echt, was ist Fiktion?

Ein Mord passiert in Heddesheim. Das Buch ist ein "Renner". Bild: Verlag
Ich kenne alle Krimis von Wolfgang Burger, die in Heidelberg und Umgebung spielen. Es macht mir Freude, die Straßen und Orte zu verfolgen und wieder zu erkennen. Darin liegt wohl der Reiz der Regionalkrimis. Der Mörder und das Opfer sind unter uns, der Tatort gleich um die Ecke.
„Eiskaltes Schweigen“, der neueste Krimi von dem Karlsruher Autor Wolfgang Burger ist eine weitere Geschichte um den sympathischen Ermittler Alexander Gerlach, der alleinerziehend mit seinen pubertierenden Zwillingstöchtern in der Heidelberger Weststadt wohnt und mit der Frau seines Chefs ein Verhältnis hat. Anders als bei den skandinavischen Krimis ist Burgers Ermittler kein “schwieriger” Charakter, sondern ein sympathischer Mensch mit kleinen, verzeihbaren Schwächen.
Und diesmal ermittelt Gerlach in Heddesheim.
Es ist nach „Heidelberger Requiem“, „Heidelberger Lügen“, „Heidelberger Wut“, „Schwarzes Fieber“, „Echo der Nacht“ der sechste Heidelberg Roman in gerade mal fünf Jahren. Wolfgang Burger ist fleißig. Er schreibt mehr als einen Kriminalroman pro Jahr.
Ich mag Alexander Gerlach, er ist kein wirklicher Held, wie er auch in „Eiskaltes Schweigen“ selbstkritisch bekennt: „Sollte ich jemals gefragt werden, ob ich das Zeug zum Helden hatte, würde die Antwort lauten: Nein.“
Der Kriminaloberrat isst gerne und trinkt auch mal ein Glas Rotwein zu viel. Der Leser lernt ihn mit jedem Krimi besser kennen, seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Die Erziehung seiner Töchter überfordert ihn, er geht oft den Weg des geringsten Widerstands und richtet sich auch wunderbar ein in das Verhältnis mit Theresa, der Frau seines Vorgesetzten.
Dennoch ist er ein Mensch mit Prinzipien und ein Anruf genügt, um ihn auch nach einer feuchtfröhlichen griechischen Hochzeitsfeier in den frühen Morgenstunden zum Einsatz zu rufen und diesmal nach Heddesheim.
Gerne verzeihe ich Burger die Rechercheungenauigkeit – bei einem Mord in Heddesheim wäre das Polizeipräsidium in Mannheim und nicht Heidelberg zuständig – aber wo gibt es schon in der Umgebung Heidelbergs ein solches Hochhaus und schließlich gäbe es ja die Dichterfreiheit, bekennt der Autor auf Nachfrage, und schickt seinen Kriminaloberrat Gerlach in das Hochhaus am Rande meiner Wohngemeinde.
Eine Frau wird erstochen in ihrer Wohnung gefunden
Bei den weiteren Ermittlungen begleitet der Leser Alexander Gerlach nach Ladenburg, genauer in den Ochsen, an den OEG-Bahnhof nach Leutershausen – es ist ein Heimspiel für mich, hier kenne ich jede Straße, dass macht es so spannend.
Weitere Morde geschehen und Burger führt seine Leser wieder zurück nach Heidelberg und mitten in Gerlachs Privatleben.
Da fällt es ihm diesmal schwer neutral zu ermitteln, denn seine Angst ist ganz persönlich. Das Verbrechen kommt ganz nah. Die Schlinge um den Ermittler zieht sich immer enger.
Und Gerlach schweigt, um sein Doppelleben zu vertuschen. „Sie werden nun mein letztes Opfer sein“, bekennt der Mörder gegenüber dem Kommissar.
Wolfgang Burger konstruiert die Geschichte ohne Schnörkel und bleibt dabei immer spannend, selbst, wenn der Leser schon nach gut der Hälfte des Romans den Täter kennt.
Der Kommissar gerät in eine persönliche Zwickmühle, denn Aufklärung könnte diesmal auch negative Auswirkungen für ihn selbst haben. Und aus Sorge, um sein Privatleben verhält sich der Heidelberger Kommissar bei den Ermittlungen falsch. Er wird entführt und lebt mit dem Mörder auf engstem Raum – da menschelt es.
Die große Kunst des Krimiautors ist die Sympathie zu seinen Figuren. Es sind nicht die großen Helden, es sind die Menschen von nebenan. Und so sagt der Mörder: „Hier gibt es weder Helden noch Sieger. Hier gibt es nur Opfer.“
Alexander Gerlach und mit ihm die Leser empfinden Verständnis, ja fast sogar Sympathie für den Verbrecher. „Mit einem Mal spürte ich Dankbarkeit in mir. Dankbarkeit für diese Freundlichkeit, die Rücksichtsnahme, das kleine Zeichen von Zuneigung, das er mir schenkte.“
Der Erfolg begann für den Schriftsteller und Leiter einer Forschungsabteilung am KIT (Karlsruhe Institut of Technology) mit den Heidelberg Krimis und der Figur Alexander Gerlach.
Die erste Auflage von „Eiskaltes Schweigen“, die im Juli 2010 veröffentlicht wurde, war schnell verkauft – 10.000 Exemplare drei Wochen nach Erscheinen. Mit seinen Heidelberg Krimis hat Burger es auch auf die Bestsellerliste von amazon.de als bester deutschsprachiger Krimi geschafft.
Ende August, vier Wochen nach der zweiten kommt die dritte Auflage von „Eiskaltes Schweigen“ auf den Markt.
Für den Krimi „Heidelberger Requiem“ wurde Burger 2005 für den Friedrich-Glauser-Preis als bester deutschsprachiger Krimi nominiert und bis heute wurden von dem Roman 45.000 Exemplare verkauft.
Inzwischen arbeitet Wolfgang Burger schon wieder an seinem nächsten Krimi, der im Juni 2011 erscheinen soll und auch wenn er bestimmt nicht wieder in meiner Heimatgemeinde spielt, ich werde ihn sicherlich lesen, denn ich will ja wissen, wie es mit Gerlach, seinen Töchtern und Theresa weitergeht.
















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