Guten Tag!
Hirschberg, 16. Juli 2010. Der Großsachsener Egon Müller (GLH) kritisierte im Ausschuss für Umwelt und Technik am 13. Juli 2010 massiv die Behörden für das Verkehrschaos rund um den zweigleisigen Ausbau der OEG. Bürgermeister Manuel Just stimmte der Kritik zu – auch die Hirschberger Verwaltung sah sich schlecht informiert: “Wenden Sie sich an den Abgeordneten ihres Vertrauens”, sagte Just.
Interview: Hardy Prothmann

ATU-Mitglied Egon Müller kritisiert die Behörden wegen des Verkehrschaos durch den OEG-Ausbau. Bild: hirschbergblog
Herr Müller, Sie haben im ATU das Verkehrschaos im Zuge des zweigleisigen Ausbaus der OEG-Trasse kritisiert. Was war nicht in Ordnung?
Egon Müller: “Die Planung war vollkommen unkoordiniert. Verantwortlich dafür sind wohl das Verkehrsamt, VRN, die Baufirma und auch die Polizei. Die Ausschilderung war schlecht und ist jetzt etwas besser, aber immer noch nicht gut. Die Information der Öffentlichkeit war praktisch nicht vorhanden. Das konnte man besonders schön in der Rhein-Neckar-Zeitung sehen, die am 01. Juli 2010 einen Artikel über Bauarbeiten vom 21. Juni bis 02. Juli brachte. Im Mitteilungsblatt kam die Informtion mit der Ausgabe vom 02. Juli 2010, also als die Baumaßnahmen im südlichen Bereich gerade zu Ende waren! Das wäre lächerlich, wenn es nicht so ein wichtiges Thema wäre. Und ich nehme an, dass auch die Odenwald-Gemeinden Weinheims entsprechend schlecht informiert waren.”
Wo sehen Sie die Hauptverantwortung?
Müller: “Selbstverständlich bei der Verkehrsbehörde des Landratsamts.”
Sehen Sie die Gemeinde in der Verantwortung?
Müller: “Nach meiner Kenntnis ist Herr Bürgermeister Just ebenso unzureichend informiert worden wie die Öffentlichkeit. Die Gemeinde hat nach den ersten Chaostagen entsprechend reagiert und zumindest mit dem Tor am Haagackerweg für eine kleine Entlastung gesorgt, weil dann wenigstens die Lkw nicht durch den Ort fahren konnten. Der Baustellenbeauftragte Dr. Thünker hat sich wie Herr Just auch sehr viel Mühe gegeben und die Beschwerden der Anwohner ernst genommen.”
Das hört sich nett an – Sie wurden die Beschwerden los. Aber glauben Sie, dass sich in Zukunft tatsächlich etwas ändert?
Müller: “Ich denke, es ändert sich dann was, wenn die Koordination der Behörden besser funktionieren würde. Was absolut gefehlt hat, waren Kontrollen. Zwar ist nach den Protesten und den Medienberichten die Polizei dann noch aufgetaucht, allerdings viel zu spät. Völlig absurd war, dass die Beamten bei einer “Kontrolle” selbst die Anwohner nicht mehr in den Haagackerweg fahren ließen. Die Autofahrer wurden aber nur informiert, dass jemand ein Knöllchen bekommen hat, ist nicht bekannt. Nachdem die Beamten weg waren, ging es weiter wie zuvor.”

Breitgasse: Rückstau soweit das Auge reicht. Die Ampel lässt immer nur vier, fünf Fahrzeuge durch. Bild: hirschbergblog
Tatsächlich sind aber auch bestimmt viele Hirschberger, die sich hier auskennen, über die Schleichwege gefahren. Was halten Sie davon?
Müller: “Wenn es nur die Hirschberger gewesen wären, hätte man das zähneknirschend aushalten können. Wie gesagt, läuft aber der gesamte Odenwaldverkehr aus den Weinheimer Ortsteilen durch den Ort und in dieser Zeit über die Schleichwege.”
Aktuell ist die B3 ab der Kreuzung Breitgasse/B3 Richtung Norden gesperrt. Wo findet das Chaos jetzt statt?
Müller: “Hier verteilt sich der Verkehr auf Jahnstraße und Brunnengasse beispielsweise, es ist nicht ganz so schlimm wie bei der südlichen Baustelle. Man kann aber jeden Tag und vor allem abends beobachten, wie Autos durch die abgesperrte Baustelle rasen.”
Haben Sie das Gefühl, dass die Koordination nach der massiven Kritik besser geworden ist?
Müller: “Es wurde bei den Schildern nachgebessert. Die Ampelschaltung an der Breitgasse ist anscheinend inzwischen so eingestellt, dass nur vier, fünf Autos links abbiegen können. Der Verkehr staut sich hunderte von Metern und dann nehmen viele wieder den Schleichweg über die Kirchgasse, die nur für Anlieger ist. Hier werden täglich die Schulkinder gefährdet – bis jetzt gabs glücklicherweise noch keinen Unfall.”
Zur Person:
Egon Müller ist beratendes Mitglied im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) als Vertreter der GLH. Als Anwohner des Haagackerwegs war er vom ersten Verkehrschaos Ende Juni/Anfang Juli selbst direkt betroffen.
In der ATU-Sitzung vom 13. Juli 2010 kritisierte er massiv die schlechte Leistung der beteiligten Behörden und Firmen.















Sehr gute Äußerungen!
Nur eines verstehe ich nicht bei der Verwaltung der Gemeinde Hirschberg. Sie ist zu spät informiert worden ???
Nun halten wir uns einmal an die Fakten:
1. Der Ausbau wird seit Jahren diskutiert. Es ist also hinreichend bekannt gewesen, dass einmal der Tag “X” eintreffen wird. Nur der exakte Zeitpunkt war nicht bekannt.
2. Die Baustelle ist nicht “vom Himmel gefallen”. Auch die Art und Weise ist nicht erst im Juli bekannt. Ein solches Großprojekt wird bei der RNV sicher sehr lange geplant, denn es müssen viele Abstimmungen getroffen werden.
Wie wäre es denn gewesen, wenn der Bürgermeister mit seiner Verwaltung einmal agiert anstatt re-agiert?
Er hätte doch z.B. einmal eine Besprechung mit allen Beteiligten im Vorfeld einfordern und simulativ die bevorstehende Sperrung mit Alternativen diskutieren können ? Das hätte doch schon im Januar sein können, so dass man auf den Tag “X” vorbereitet wäre?
Wäre das so falsch gewesen ? Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Thema seit über einem Jahr in der Verwaltung bekannt ist.
Aber:
Keiner bewegt sich proaktiv auf das Thema zu.
Hinterher zu behaupten “man sei zu spät informiert worden” mag juristisch korrekt sein (man kann dann ja auch schön sich seiner Verantwortung entziehen) aber vom Management ein total destruktiver Ansatz.
Sorry, Herr Bürgermeister, von einem so jungen Behördenchef hätte man mehr erwarten können! Thema verfehlt!
Wer hätte denn die Verantwortung übernommen, wenn ein Kind bzw. ein Bürger angefahren worden bzw. schlimmeres passiert wäre ?
Wäre z.B. ein Landrat Dallinger dann zurückgetreten als Gesamtverantwortlicher?
Hätte er das Format einer Frau Margot Käßmann gehabt ?
Der Leser möge sich seinen Teil denken…
Hat sich bis dato einer der Vertreter der Behörden bei den Anwohnern öffentlich entschuldigt? Wäre bzw. ist das zu viel verlangt?
Was lernt man daraus?
Gibt es irgendeine “Nachlese”, die zusammen mit Behördenvertretern und Anwohnern / Bürgern versucht, aus den Fehlern für die Zukunft zu lernen?
Das ist schwach, von der Gemeindeverwaltung, vom Landratsamt.
Und beide Behördenvertreter wohnen auch noch im gleichen Ort….
“Wir sind Landrat” ?
Wir sind “Beispiel für schlechtes Behördenmanagement”!
Zum Glück ist nichts passiert, obwohl es teilweise sehr knapp war.
Hallo,
dazu sagen kann ich nur, die Ampelschaltung nicht geändert zu haben, halte ich für sehr nachteilig für das Verkehrsaufkommen. Ich stehe fast jeden 2 Tag in dem Stau, während man einfach fahren könnte.
Am 1. Tag des Bauabschnitts Süd, bin ich morgens nach Großsachsen reingefahren, weil ich dachte, solange die Umleitung noch nicht freigegeben ist, wird noch nicht gesperrt sein. Fehlanzeige, die Straße war dicht und aus allen Ecken kamen Auto´s und mussten wieder drehen. Erst in dem Moment sah ich, wie jmd. losfuhr um die Umleitungsschilder freizugeben.
Die Absperrung nach Großssachsen in der Zeit, war sehr gefährlich für Anlieger, die diese Strecke bis zur Baustelle weiter nutzen konnten.
Die Gleichzeite Umleitung des Verkehrs über Muckensturm für die B3 und der Brückenbauarbeiten der Viernheimer Brücke auch sehr ungeschickt, aber wohl nicht anders lösbar.
Vielen Dank an Herrn Müller für seine klaren Worte. Leider ist es in der kommunalen Politik nicht anders als in der Bundespolitik. Aus Sicht der Politiker wird das Volk gar nicht erst befragt, das wäre schlecht für die Karriere. Und so wird eifrig weiter die Landschaft zubetoniert und verschandelt, immer mehr Lärm, Dreck und Hektik produziert.
Eine höherer Frequenz der OEG wird mitnichten dazu führen, dass weniger Autos durch Großsachsen fahren. Noch längere Staus, nicht nur zu den Hauptverkehrszeiten werden die Regel sein, die momentanen “Schleichwege” dauerbefahren. Die Lebensqualität an der Bergstraße bezüglich Ruhe und Natur ist gleich Null, ein Leben im Sommer bei geöffneten Fenstern eine Zumutung. Während ich dies schreibe, wird hier offenbar ein Rennen ausgefahren, quietschende Reifen und Vollgas verschönern den lauen Sommerabend. Nix wie weg!
Sonntag Morgen gegen 11 Uhr: Vor der roten Ampel in der Breitgasse stehen schon ca. 15 Autos. In der Grünphase (ca. 15 Sekunden) kommen weniger als 10 Autos durch; da erst noch der Gegenverkehr aus dem Riedweg abgewartet werden muss. Dann ist es minutenlang Rot. Auf der B3 von Süden her noch wenige Verkehr. Minutenlang Grün für die nicht vorhandenen Autos! Jetzt kommt die OEG. Das führt dazu, dass für den Odenwaldverkehr in der Breitgasse nur wenige Sekunden Grün ist. Die Autos stauen sich inzwischen bis zur Metzgerei Salbinger. Ein Kleinwagen wendet, braust davon und sucht sich offensichtlich ein andere Schlupfloch. In der Jahnstraße auch einige Autos, die zum Stau dazu kommen. Dann wird es wieder für 15 Sekunden Grün für die Breitgasse.
Eine “tolle” Ampelschaltung; wir Anwohner “freuen” uns schon auf den 10-Minuten Takt der OEG. Wenn die Planungen der Behörden genauso durchdacht und abgestimmt sind, wie im Moment, dann gute Nacht.
Eine Woche später: und täglich grüßt das Murmeltier. Immer noch die gleiche, schlechte Ampelshaltung: Stau und Abgase in der Breitgasse und Jahnstraße, der “übliche” Schleichverkehr. Teilweise beträgt die Grünphase nur 10 Sekunden! Dafür aber minutenlang unnötiges Grün für die B3. Ist denn niemand hier verantwortlich oder in der Lage diese Schaltung anzupassen? Oder mal wenigstens eine Stellungnahme abzugeben?
Hallo Breitgässler,
wurde dazu auch schon eine explizite Anfrage an den Bürgermeister und andere passende Stellen gestellt?