Donnerstag, 23. Februar 2012 (08:51 Uhr)

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Termine, Druck, Senioren und wie das alles zusammen passt

Guten Tag!

Hirschberg, 15. Februar 2010. Beim Besuch der AWO Großsachsen warb Bürgermeister Just vor allem für das neue Seniorenzentrum. Kein Wunder – waren doch fast ausschließlich Senioren anwesend.

Von Hardy Prothmann

Es geht gemütlich zu, beim Seniorentreff. Die beiden Vorsitzenden Manfred Wolle und Dr. Horst Metzler (SPD-Gemeinderat) begrüßen die Gäste. Reden, besorgen Dinge. Kümmern sich, wie die Frauen der AWO, die nach dem “Rechten” schauen.

Bürgermeister Just ist auch pünktlich da, hat aber wenig Zeit. Umso beeindruckender, wie er die Situation aushält.

Denn eigentlich wollte er gerne für das Projekt Seniorenzentrum werben und dann gleich weiter.

Das hat er auch getan. Aber immer wieder durch den gemächlichen Ablauf des Seniorentreffens der Arbeiterwohlfahrt unterbrochen.

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Senioren beim AWO-Treffen. Bild: hblog

Kaum war die Eröffnungsansprache des AWO-Vorsitzenden Manfred Wolle gehalten und kaum hatte Bürgermeister Just das Wort ergriffen, gings weiter mit dem Sektempfang.

Pause für Just.

Gemächliches Versorgen der Anwesenden.

Eine Dame wirbt in der Ecke des Raumes für ein Anliegen. Bürgermeister Just äußert Verständnis.

Die Anwesenden stoßen auf Herbert Vogelsang an. Der ist vor kurzem 80 Jahre alt geworden und freut sich, will aber deswegen nicht wichtig genommen werden. Der Mann ist bescheiden. Viele der Senioren sind bescheiden. Auch der Bürgermeister Just ist bescheiden und weiß, dass seine sonstige Dynamik hier fehl am Platz wäre.

Trotzdem drängt sein Terminkalender. Das bringt er ein paar Mal erklärend an. Die Senioren erinnern sich und nehmen ihm das nicht übel. Aber es ist nicht das, was sie interessiert.

Die Pause für Bürgermeister Just ist zu Ende.

Er darf wieder reden und das macht er gut.

Für jemanden, der qua Amt gewohnt ist, das Wort zu ergreifen und der aus Instinkt weiß, dass er vor dem Alter seine Energie zügeln muss, aber gleichzeitig vor “Entscheidern” spricht.

Dass er in Bedrängnis ist – zwischen Termindruck und Verständnis – erkennt, wer sich seiner Lage bewusst macht.

Die Senioren sind alte Menschen. Sie werden kein Haus mehr bauen, kein Geschäft mehr gründen, schon gar keine Familie. Sie leben ihr Leben zu Ende.

So wie alle Senioren vor ihnen und nach ihnen.

Aber diese Senioren haben Familien und Geschäfte gegründet, Häuser gebaut und niemand kommt an ihnen vorbei, solange sie noch “voll da sind”, mitreden, mitentscheiden.

Und sie haben Kinder, die Familien und Geschäfte gegründet haben und “voll mittendrin sind”, im Leben.

Das weiß auch Bürgermeister Just, obwohl ihn 40 bis 50 Jahre Lebenszeit von dieser Gruppe, zu der er spricht, trennen.

Der Bürgermeister Just scheint zu wissen, dass er hier nicht einfach nur vor “Alten” redet, die ihren “Lebensabend” genießen. Anscheinend muss und will er sie für seine Politik, seine Visionen für Hirschberg gewinnen.

Bürgermeister Just redet von den Vorzügen des Projekts Seniorenzentrum. Der “eierlegenden Wollmilchsau” mit betreutem Wohnen, stationärer und mobiler Pflege, Tiefgarage und einer neuen “Dorfmitte”.

Er macht das mit viel Begeisterung, mit Energie. Und die Senioren registrieren diese Energie, während sie Kaffee und Krapfen genießen.

Und voller Energie fordert er die Senioren auf, mitzumachen: “Wir können nicht immer an alles denken. Wir wollen Betroffene zu Beteiligten machen.”

Alles, was der Bürgermeister Just sagt, während sein Terminplan drängt, hat Hand und Fuß. Seine Rede informiert sachlich und umfassend.

Damit hat Bürgermeister Just seine Pflicht erfüllt. Er hat informiert, er hat motiviert.

Und er hat ein Versprechen gegeben: Dass das neue Seniorenzentrum zwischen dem Anspruch der Wirtschaftlichkeit, also dem Preis für die Unterbringung und dem Willen zur Inanspruchnahme durch Hirschberger Senioren gegeben sein muss.

Hirschberger Senioren sollen zu einem bezahlbaren Preis bevorzugt ihre Ansprüche anmelden können. An diesem Wort wird Bürgermeister Just gemessen werden: “Es muss ein sozial annehmbares Angebot geben.”

“Wie hoch wird das werden und wie ist das Dach?”, will einer der Senioren wissen.

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Bürgermeister Just mit Manfred Wolle. Bild: hblog

Bürgermeister Just erklärt, dass das betreute Wohnen mit zwei Vollgeschossen etwa acht Meter ausmachen werde und ein Pultdach geplant sei.

Damit hat er die Frage “technisch” beantwortet. Ob sie bei den Senioren angekommen ist? Anscheinend schon.

Die Frage war symbolisch. Die alten Menschen wollen wissen, worauf sie sich einstellen müssen. Ob sie einen “freien Blick” haben, denn sie sind in ihrer Mobilität eingeschränkt.

Sie wollen wissen, ob sie gut versorgt werden – sich jemand um sie kümmert, so wie sie sich früher um andere gekümmert haben.

Manfred Wolle bewirbt das Projekt, auch wegen der geplanten Kinderkrippe: “Wir wollen doch Leben um uns haben”, sagt er. Und zum Thema Lärmbelästigung: “Das sollte man nicht so hoch ansetzen.”

Bürgermeister Just, mit seiner “überparteilichen” blauen Blume am Revers muss weg – zur AWO nach Leutershausen und dann nach “Karlsruhe”, wo sicher keine Senioren, sondern Politiker und Beamte und Verhandlungen auf ihn warten.

Die Senioren wissen die Ehre zu schätzen. Und einige von ihnen haben Lust auf einen zweiten Krapfen.

Der noch sehr junge Bürgermeister Just hat eine Lektion erhalten und dabei Format bewiesen.

Seine Geschwindigkeit ist nicht die der Senioren. Seinem Aufruf, die “Betroffenen zu Beteiligten zu machen”, muss er folgen.

Denn die Senioren haben keine Möglichkeit, dem drängenden Terminkalender eines jungen Bürgermeisters und dessen Geschwindigkeit zu folgen.

Sie wollen sich darauf verlassen können, dass ihr Vertrauen in guten Händen ist.

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Kommentare

  1. Thorsten Langfeld meint:

    Hallo,

    wdr5 hat einen Radiobericht über das heddesheimblog gebracht.

    http://www.wdr5.de/sendungen/toene-texte-bilder/s/d/13.02.2010-15.05/b/hyperlokaljournalismus.html

    Das hat mich interessiert und dann bin ich auf das hirschbergblog gestoßen, was ja auch vom Hardy Prothmann ist.

    Dieser Text hier ist ein bockstarker Artikel. So einen einfühlsamen, analytischen, offenen, kritischen Text habe ich noch überhaupt noch nie hier in meiner Lokalpresse gelesen.

    Hardy Prothmann: Hoffe dass alles schnell gut geht für Sie und Sie bald expandieren können.

    Leverkusen braucht Sie!

    Schöne Grüße

    Thorsten Langfeld

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